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Kryptorätsel: Die Notizzettel von Ricky McCormick

Am 30. Juni 1999 entdeckte eine Frau, die einen Feldweg in der Nähe der Ortschaft West Alton (ca. 25 km nördlich der Innenstadt von St. Louis, Missouri) befuhr, in einem Maisfeld die Leiche eines Mannes. Die Leiche war bereits im Stadium der Verwesung; die Behörden konnten jedoch anhand der Fingerabdrücke den vorbestraften Ricky McCormick als Verstorbenen identifizieren. Offizielle Angaben zur Todesursache konnte ich nicht finden; die Angaben auf diversen Internetseiten widersprechen sich häufig. Das FBI stufte den Fall eindeutig als Mord ein, konnte bis heute jedoch keinen Täter ermitteln. Auch das Motiv der Tat ist bislang völlig unklar.

Kartenausschnitt von St. Louis (der blaue Marker zeigt die Position von West Alton), CC-BY-SA, OpenStreetMap-Mitwirkende

Zur Person

Ricky McCormick wurde am 14. Juni 1958 geboren. In der Schule hatte er große Leistungsdefizite, musste die Schule ohne Abschluss abbrechen. Danach hielt er sich mit Gelegenheitsjobs und Invalidenzuwendungen über Wasser, da er unter chronischen Herzproblemen und Asthma litt. Im Jahr 1992, im Alter von 34 Jahren, wurde McCormick verhaftet. Ihm wurde Geschlechtsverkehr mit einem Kind vorgeworfen. Während des Verfahrens stellte sich heraus, dass McCormick eine mehrjährige Beziehung zu einer anfangs 11-Jährigen führte und in dessen Verlauf mit ihr 2 Kinder gezeugt hatte. Seine Pflichtverteidigerin beantrage ein Gutachten, das klären sollte, ob McCormick überhaupt zurechnungsfähig sei. Das Gutachten bejahte dies. McCormick bekannte sich schuldig und er wurde zu 3 Jahren Haft verurteilt. Nach 13 Monaten wurde er auf Bewährung entlassen.

Danach mehren sich die Hinweise, dass McCormick eventuell auf die schiefe Bahn geriet und vielleicht in Drogengeschäfte verwickelt war und als Drogenkurier fungierte. Kurz vor seinem Tod hat er wenigstens zwei kurze Reisen per Bus nach Orlando, Florida unternommen. Seine damalige Freundin mutmaßte, dass er von dort Marihuana nach St. Louis befördert haben könnte. Nach seinem letzten Trip, den er am 15. Juni 1999 antrat, soll er sehr verängstigt gewirkt haben. Am 22. Juni begab sich McCormick ins Barnes-Jewish-Krankenhaus, da er unter Herzschmerzen und Kurzatmigkeit litt. Die Ärzte konnten einen Herzinfarkt ausschließen, behielten ihn aber zur Beobachtung zwei Tage dort. Nach seiner Entlassung am 24. Juni stattete er seiner Tante einen kurzen Besuch ab. Am späten Nachmittag des folgenden Tages begab er sich erneut ins Krankenhaus, diesmal ins Forest-Park-Krankenhaus. Er klagte über Atemprobleme, was die Ärzte als einfachen Asthmaanfall diagnostizierten und ihn nach knapp einer Stunde wieder entließen. Ob er allerdings tatsächlich das Krankenhaus verließ oder, wie seine Tante vermutete, noch die Nacht in den Warteräumen des Krankenhauses verbrachte, ist unklar. Seine Freundin will zuletzt am 26. Juni noch kurz mit McCormick telefoniert haben. Außerdem behauptete ein Tankstellen­­mitarbeiter, McCormick im Lauf des 27. Juni gesehen zu haben. Der 27. Juni wurde von den Behörden auch als der wahrscheinlichste Todestag McCormicks angesehen.

Ablichtung des ersten Notizzettels, Federal Bureau of Investigation, gemeinfrei

Die zwei Notizzettel

Nachdem der Fall längst aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt war, wandte sich im Jahr 2011 das FBI überraschend an die Medien. Bei der Untersuchung der Leiche habe man damals in McCormicks Taschen zwei Notizzettel mit kryptischen Buchstaben- und Zahlenfolgen gefunden, von denen man sich Hinweise auf den Täter oder das Motiv erhoffte. Ein Jahrzehnt lang haben sich Experten beim FBI erfolglos darum bemüht, die Notizen zu entschlüsseln oder ihnen einen Sinn zu geben. 2009 band man dann einige zusätzliche, externe Kryptographen ein. Ebenfalls ohne Erfolg. Nun hoffte man mit der Veröffentlichung um Hinweise aus der Bevölkerung. Die kamen zwar so zahlreich, dass das FBI kaum hinterher kam, aber etwas sachdienliches war offenbar nicht dabei.

Abblichtung des zweiten Notizzettels, Federal Bureau of Investigation, gemeinfrei

Unklar ist auch, ob die Notizen überhaupt von McCormick selbst angefertigt wurden. Das FBI geht davon aus. Sie stuft McCormick zwar als wenig gebildet ein, er hätte aber Lesen und Schreiben können und eine gewisse Cleverness besessen. Außerdem hätte er bereits seit seiner Kindheit verschlüsselte Notizen angefertigt; keiner aus seiner Familie hätte aber gewusst, wie diese zu lesen seien. Seine Mutter, die von den Notizen erst 2011 aus den Medien erfuhr, bezeichnete Ihren Sohn in einem Interview von 2012 dagegen als zurückgeblieben und meinte, er hätte kaum sein Namen schreiben können. Sie hätte dem FBI damals außerdem nur gesagt, dass er als Kind sinnlose Buchstaben auf Zettel gekrizelt habe, was das FBI als verschlüsselte Notizen missinterpretiert hätte. Möglich wäre also auch, dass er den Zettel von jemand anderem erhalten hat, zu seiner Information oder um ihn an einen Dritten zu überbringen.

Entschlüsselungsversuche

Bis heute gibt es keine öffentlich bekannten, ernstzunehmenden Vorschläge für eine Entschlüsselung oder Decodierung der Notizzettel. Kryptologen sind sich aber recht einig, dass die Notizzettel sinnvolle Informationen enthalten und nicht einfach nur unsinnige Aneinanderreihungen von Buchstaben und Zahlen sind. Dafür weist der Text zu viele sich wiederholende Muster und sinnvolle, sprachähnliche Strukturen auf. Untersucht hat man unter anderem die Interpretation als Adressen bzw. Ortsangaben, Kundendaten, Medikationspläne oder Rezepturen – ohne Erfolg.

Quellen

Kryptorätsel: Die Dorabella-Chiffre

Seit die Kryptographie mit der Einführung der neuen Lehrpläne in der Oberstufen-Informatik nur noch ein beiläufiges Unterthema geworden ist, komme ich meist nicht mehr dazu, am Ende ein paar bis heute ungelöste Rätsel der klassischen Kryptographie zu erwähnen. Und auch wenn es natürliche schon zahlreiche Top-x-Listen diesbezüglich gibt, möchte ich hier nach und nach ein paar mir persönlich besonders in Erinnerung gebliebene kryptographische Rätsel vorstellen. Nachdem auch Klaus Schmeh kürzlich in seiner Kolumne im Rahmen einer Top-50-Liste kurz darauf einging, beginne ich mit der Dorabella-Chiffre.

Portrait von Sir Edward Elgar – Herbert Lambert (1881–1936) – National Portrait Gallery, gemeinfrei

Historischer Hintergrund

Sir Edward Elgar war ein britischer Komponist (1857–1934), den hierzulande nur wenige kennen dürften. In seinem Heimatland war er dagegen in seinen späten Jahren einer der wichtigsten Komponisten seiner Zeit und eine der Hymnen Englands basiert auf einem seiner Werke.

Im Jahr 1897 begab es sich, dass seine Frau Alice und er für einige Tage auf das Anwesen der Familie Penny eingeladen wurden, da sich seine Frau und Mrs Penny sehr gut kannten. Dort lernte der 40-jährige Elgar Mrs Pennys 23-jährige Stieftochter Dora Penny kennen. Die beiden verband eine Leidenschaft für Musik und sie unternahmen mehrere Ausflüge. Auch nach ihrem ersten Aufeinandertreffen hielten sie regelmäßigen Kontakt zueinander. Später widmete Elgar Dora, der er den Spitznamen Dorabella gegeben hatte, eines der Stücke seiner Enigma-Variationen.

Nachdem Edward Elgar verstorben war, schrieb Dora Powell (geb. Penny) im Jahr 1937 ihre Memoiren mit dem Titel „Edward Elgar: Memories of a Variation“, in der sie sich vor allem an die Zeit mit Elgar zurückerinnert. Darin erwähnt sie, dass ihre Mutter kurz nach der Abreise der Elgars von Alice einen Brief erhalten habe, in dem sie sich für die Gastfreundschaft bedankte. Dem Brief soll ein Zettel beigelegt gewesen sein, der auf der einen Seite die Aufschrift „Ms Penny“ besessen haben soll und auf der anderen Seite eine Reihe kryptischer Symbole, abgeschlossen durch das Datum „July 14, 97“.

Dora schrieb weiter, dass sie erst jetzt bei den Recherchen für ihre Memoiren zum ersten Mal Notiz von dem Zettel nahm und vermutete, er habe vielleicht die letzten Jahrzehnte unbemerkt in einer Kommode gelegen. Da Elgar nun leider verstorben war, konnte sie ihn nicht befragen, was es mit den kryptischen Symbolen auf sich hatte und sie selbst sei nicht in der Lage gewesen, irgendetwas zu entziffern. Daher fertigte sie die nachfolgend dargestellte Reproduktion für ihre Memoiren an. Der Originalzettel soll kurze Zeit später bereits verschwunden sein.

Dorabella-Chiffre, vermutlich Edward Elgar, 1897

Bekannt war, dass Edward Elgar auch eine Leidenschaft für Kryptographie besaß. Außerdem gibt es drei weitere Fundstellen in seinem Nachlass, an denen er die Symbole ebenfalls verwendete. In einem Programmheft zu einem Konzert in Crystal Palace zu Ehren von Franz Liszt von 1886 [andere Quellen nennen 1885] klammerte Elgar zwei Notenzeilen ein und schrieb 18 seiner Symbole an den Rand. 1896 konnte Elgar erfolgreich eine Chiffre lösen, die das Pall-Mall-Magazin veröffentlicht hatte und als unlösbar betitelte (es handelte sich letztlich um eine sehr wohl lösbare Nihilist-Chiffre). Auf seinen Notizkärtchen notierte er an einer Stelle 10 seiner Symbole.

Ausschnitt aus dem Programmheft des Liszt-Konzertes

Und schließlich findet sich noch in einem Übungsheft von 1920 eine Doppelseite, die voll mit seinen Symbolen ist. Bemerkenswert an dieser Doppelseite ist, dass sich oben links zunächst ein Schlüssel findet, der seine Symbole lateinischen Buchstaben zuordnet. Demnach handelt es sich um eine einfache, monoalphabetische Substitution, wobei I und J bzw. V und W mit dem selben Symbol substituiert werden, da es nur 24 unterschiedliche Symbole gibt.

Doppelseite aus dem Übungsheft von Edward Elgar

Mit diesem Schlüssel lassen sich die nachfolgenden Zeilen mühelos entschlüsseln. Zunächst heißt es dort „MARCO ELGAR“ (Marco war der Name seines Hundes), darunter „A VERY OLD CYPHER“. Dieser Satz wird noch einmal wiederholt, diesmal allerdings mit einer eckigen Variante der Symbole. Zuletzt steht da noch „DO YOU GO TO LONDON?“. Ganz unten links folgen verschiedene Darstellungen, die so etwas wie eine Merkregel darstellen könnten, in welcher Reihenfolge die Symbole den lateinischen Buchstaben zugeordnet werden müssen. Man sieht hier deutlich, dass es dafür sehr viele verschiedene Varianten gibt.

Auf der rechten Seite sind verschiedene Buchstabensequenzen aufgeführt, wobei nur die letzte Sequenz ein vollständiges Alphabet ergibt. Darunter liest man den unverschlüsselten Satz „DO YOU GO TO LONDON TOMORROW?“, wobei alle Os unterhalb markiert sind, alle anderen Buchstaben oberhalb. Daneben liest man die Zahl 23, die wohl für die Anzahl der Buchstaben in dem Satz steht, darunter „9 Os“, genau die Anzahl der Os in dem Satz. Zuletzt folgt noch eine offenbar zusammenhanglose Ziffernfolge.

Nun könnte man geneigt sein, zu glauben, dass man den Schlüssel auf dieser Seite nur auf seine übrigen Chiffren anwenden müsste, um sie entziffern zu können. Doch wenn man das macht, ergibt sich nur ein anscheinend unsinniger Buchstabensalat.

Entschlüsselungsversuche

Es gibt sehr viele Anhaltspunkte dafür, dass die Chiffre auf einer monoalphabetischen Substitution beruht. Zum einen basiert der Schlüssel der Doppelseite auf einer monoalphabetischen Substitution, desweiteren war diese Art der Verschlüsselung zur Geheimhaltung in privater Korrespondenz (meist von Liebesbotschaften) um diese Zeit sehr verbreitet. Und zu guter Letzt folgt die Häufigkeitsverteilung der Symbole einer natürlichen Sprache, wobei Englisch gut passt. Entsprechend gehen auch die Entschlüsselungsversuche in diese Richtung; doch trotz zahlreicher Lösungsvorschläge ist bislang keiner restlos überzeugend.

1970 schlug der britische Musikwissenschaflter Eric Sams als Lösung „STARTS: LARKS! ITS CHAOTIC, BUT A CLOAK OBSCURES MY NEW LETTERS, Α, Β [Anmerkung: Dies sind griechische Buchstaben] BELOW: I OWN THE DARK MAKES E. E. SIGH WHEN YOU ARE TOO LONG GONE.“ vor. Wie Sams auf diese Lösung kam, ist mir nicht bekannt. Alles in allem scheint die Lösung ziemlich aus der Luft gegriffen. Auf die Frage, warum sich die Anzahl der Buchstaben in seiner Lösung und der Chiffre unterscheidet, soll Sams geantwortet haben, dass Elgar Kurzschreibweisen für einige Wörter verwendet haben soll.

2008 vermutete der Schachspieler Tony Gaffney, dass man einfach die von Elgar auf er Doppelseite angegebene Substitution 1:1 durchführen solle und den Buchstabensalat (ggf. unter vorheriger Umordnung der Buchstaben) phonetisch interpretieren müsse. Heraus käme dann: „B HELLCAT I. E. A WAR USING EFFIN HENSHELLSEN WHY YOUR ANTIQUARIAN NET DIMINUENDO AM SORRY YOU THEO O’ TIS GOD THEN ME SO LA DEO DA AYE“. Weder der äußerst komplizierte und fast willkürliche Verschlüsselungsansatz, noch der Inhalt können so recht überzeugen.

2009 veröffentlichte der Australier Tim S. Roberts die Lösung: „P. S. NOW DROCP BEIGE WEEDS SET IN IT BURE IDIOCY ONE ENDTIRE BED. LUIGI CCIBUNUD LUV’NGLY TUNED LIUTO STUDO TWO.“. Die Lösung erscheint mir sehr symphatisch, da sie auf reiner Substitution ohne die übermäßige Verwendung von Kurzschreibweisen oder verdrehten Buchstabenanordnungen beruht. Die rot markierten Buchstaben sind vermutlich Flüchtigkeitsfehler. Ungewöhnlich ist allerdings, dass demnach teils mehrere Symbole für den gleichen Buchstaben stehen: das I wird beispielsweise mit 3 Symbolen substituiert, der sehr seltene Buchstabe Y mit 2 Symbolen. Mit einer solchen homophonen Substitution will man aber eigentlich erreichen, dass die Häufigkkeitsverteilung der Buchstaben im Text gleichmäßiger wird, um Häufigkeitsanalysen zu erschweren. Das gelingt aber überhaupt nicht, wenn ein häufiger Buchstabe wie E mit einem Symbol belassen wird, während das Y, welches nur 2-mal im Text vorkommt, direkt 2 Symbole zugeordnet bekommt. Roberts verweist dabei auf den besonderen Schlüssel, doch wirklich überzeugend ist das nicht.

2011 gab der Kanadier Richard Henderson in einem Forum die Lösung „WHY AM I VERY SAD, BELLE. I SAG AS WE SEE ROSES DO. E. E. IS EVER FOND OF YOU, DORA. I KNOW I PEN ONE I LOVE. ALL OF MY AFFECTION.“ zur Diskussion. Die Lösung geht wieder von diversen Kurzschreibweisen aus und erfordert es, einige Worte rückwärts zu lesen. Alles in allem auch nicht wirklich überzeugend.

Weiterhin sei erwähnt, dass der ein oder andere auch schon mal die Idee hatte, die Symbole als Musiknoten zu interpretieren, hinter denen sich vielleicht eine besondere Melodie verbergen würde. Aber etwas Sinnvolles ist bislang aus diesem Ansatz nicht entstanden.

Zuletzt darf auch nicht außer Acht gelassen werden, dass Dora Powell den Zettel auch gefälscht haben könnte, um ihre Memoiren interessanter zu gestalten. Da wäre der Aspekt, dass der Zettel angeblich Jahrzehnte unbeachtet in einer Kommode gelegen haben soll, dann aber kurz nach Anfertigung der Reproduktion verloren gegangen sein soll. Es ist möglich, dass Dora die Doppelseite aus Elgars Übungsheft entweder zu seinen Lebzeiten oder während des Zusammentragens Elgars Nachlasses für sein Museum gesehen haben könnte und dann einfach diese Symbole willkürlich aufgeschrieben hat. Allerdings ist es wiederum erstaunlich, dass dieser Phantasietext doch so viele Merkmale einer natürlichen Sprache aufweist.

Quellen

barbie.avi – Ein Update

Im September letzten Jahres berichtete ich über ein seltsames Video namens barbie.avi und eine damit verbundene Creepypasta. Wie ich in den letzten Tagen per Zufall herausgefunden habe, ist in den letzten Monaten durch eine gleichnamige vk.com-Gruppe (vk.com ist das wichtigste, russische, soziale Netzwerk) eine Menge nützlicher Hintergrundinformationen zu dem Video zusammengetragen worden.

Was hat die Gruppe herausgefunden?

Über die Zeit hat die Gruppe knapp ein Dutzend Fotografien gesammelt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit die Frau aus dem Video zeigen, obwohl die Fotos immer wieder unter einem anderen Pseudonym veröffentlicht wurden. Mal heißt sie Barbie, mal Becky, dann wieder Tammy und manchmal auch Sharon. Es scheint, als habe die Frau eine Modellkarriere angestrebt, worauf auch weitere Fundstücke hinweisen.

Am 3. März 2017 veröffentlichte der Admin der Gruppe dann insgesamt vier Videos, die vom Benutzer „Ivan M“ noch am selben Tag auch bei YouTube hochgeladen wurden. Die Videos 1, 2 und 3 zeigen das gleiche Bildmaterial, das wir schon aus den barbie.avi-Videos kennen, allerdings einen teils deutlich größeren Bildausschnitt, deutlich weniger Audio-Störgeräusche und zusammen sind sie deutlich länger, als die Summe aller barbie.avi-Videos. Unschwer zu erkennen ist hierin nun, dass der Frau tatsächlich ein Großteil des rechten Arms amputiert wurde, wie bereits zuvor vermutet wurde. Das vierte Video zeigt die selbe Frau in anderer Umgebung im Interview mit einer weiteren Frau.

Der Admin der vk.com-Gruppe berichtete, dass er über eine Reihe von Kontakten Zugang zu einer nicht näher genannten, geschlossenen Community erhalten habe, in dessen Archiven er die vier Videos gefunden habe, die dort unter der Bezeichnung „Tammy“ im Jahr 2012 abgelegt worden waren (also drei Jahre nach Veröffentlichung der Creepypasta und der barbie.avi-Videos).

Am 17. April 2017 verkündete der Admin, dass man mittlerweile herausgefunden habe, dass die zweite Frau in dem vierten Video „Susan Abbott“ heißen soll. Ein Amerikaner habe sie wiedererkannt, da sie in jener Zeit viele vergleichbare Interviews zusammen mit ihrer Freundin „Carol Davis“, Gründerin von „CD Production“ mit Sitz in Chicago, geführt haben soll. Wie aus einer Eigendarstellung auf einer mittlerweile nicht mehr existierenden Website hervorgehen soll, habe Abbott durch eine Krebserkrankung den Großteil ihres linken Beines verloren und sich darauf hin für Menschen mit vergleichbaren Behinderungen eingesetzt. Kontaktversuche zu Abbott oder Davis, die bis 2016 noch in mehreren sozialen Netzwerken aktiv gewesen sein soll, blieben bislang erfolglos.

Welche neuen Schlussfolgerungen lassen sich daraus ziehen?

Anhand der neuen Videodateien lässt sich bestätigen, was ich damals schon vermutet habe: zwar weisen auch die neuen Videodateien starke (analoge) Video- und Audiostörungen auf, die barbie.avi-Videos wurden aber bewusst durch zusätzliche Schnitte, Auslassungen, Wahl eines kleineren Bildausschnitts und zusätzliche Audio-Störungen manipuliert. Auch in dem erweiterten Bildmaterial ist nichts von den Gefühlsausdrücken zu erkennen, die in dem 4chan-Post beschrieben werden (verzerrtes Gesicht, Weinen, hysterisches Schluchzen). Die Frau wirkt durchweg entspannt bis fröhlich.

In den neuen Videos taucht weiterhin die Einblendung „(BIID)“ nicht mehr auf, von der ich damals schon schrieb, dass sie dort nachträglich digital eingefügt worden sei. Zwar sind die näheren Hintergründe, warum der Frau Teile des rechten Arm amputiert wurden, weiterhin unklar, es scheint aber, dass der Verweis auf die psychische Störung eine bewusst gelegte, falsche Fährte war. Viel Mysteriöses bleibt also nicht mehr an dem Video, wenngleich die genauen Umstände, unter denen es gefilmt wurde, weiter im Dunkeln bleiben. Leider sind die Audiostörungen auch im neuen Material so stark, dass man nur Bruchstücke der Unterhaltung versteht.

Zuletzt sei noch darauf hingewiesen, dass man im neuen Video nun den Datumsstempel vollständig und deutlich erkennen kann, der vorher nur fragementarisch zu sehen war. Wie oben zu sehen, lautet er „4.10.89“, also vermutlich, basierend auf einer Entstehung in den USA, der 10. April 1989. Ob dass damit auch das Datum ist, an dem das Video entstanden ist, bleibt offen. Da der Datumsstempel erst nach dem Ende des eigentlichen Bildmaterials zu sehen ist, kann es auch sein, dass auf dem Videoband nur eine Aufnahme von diesem Datum mit dem barbie.avi-Video überschrieben wurde. Zumindest dürfte aber die Aufnahme in einem gewissen Zeitrahmen um dieses Datum herum entstanden sein.

barbie.avi – Ein seltsames Video

Über einen Eintrag bei KnowYourMeme bin ich auf eine ungewöhnliche Geschichte und ein seltsames Video aufmerksam geworden, die bis heute Rätsel aufgeben.

Die Geschichte

Am 14. Juli 2009 veröffentlichte ein anonymer Benutzer auf dem Paranormal-Board (/x/) von 4chan eine etwas längere Erzählung, die ich möglichst originalgetreu vom Englischen ins Deutsche übersetzt habe:

Hallo. Diese Sache passierte mir vor einigen Monaten, ich muss es einfach mit jemandem teilen.

Alles begann auf der Party eines meiner Freunde. Er ist ein Künstler, der ein Loft in einem Industriegebiet der Stadt gemietet hat. Wenn du dir vorstellen kannst, wie es im Detroit der 1920er Jahre ausgesehen hat – so sah das Gebiet aus. Eine Reihe alter Fabriken von der Jahrhundertwende hineingezwängt in zehn Blocks. Die meisten davon verlassen. Jedenfalls habe ich an diesem Abend ein bisschen zu heftig gefeiert und entschloss, mich auf die Couch hinzuhauen. Ich wachte um etwa 4 Uhr morgens auf, die Sonne war noch nicht aufgegangen, aber man konnte schon einiges im dämmrigen, blauen Licht erkennen, ich ging zum Badezimmer, vorsichtig auf Zehenspitzen um die Leute herumlaufend, die auf dem Boden eingeschlafen waren. Als ich pinkelte, stellte ich mich auf meine Zehenspitzen, um aus dem Badezimmerfenster zu blicken und sah das Panorama des verwaisten, städtischen Zerfalls. Ich erinnerte mich, wie ich solche Orte mochte, es war dunkel und leblos, und ungewöhnlich ruhig. So ging ich also zurück zur Couch und versuchte noch etwas zu schlafen. Nachdem ich 45 Minuten an die Decke gestarrt hatte, beschloss ich, dass ich nicht mehr länger hier bleiben wollte; so legte ich meinen Stolz ab und beschloss meine Freundin aufzuwecken, um zu betteln, dass sie mich abholen komme, da Umherlaufen in den leeren Straßen zu dieser Zeit keine Option war. Sie war eine fantastische Freundin, für sie ging das klar und sie sagte mir, sie wäre in einer halben Stunde da und dass sie mich anrufen würde, sobald sie da wäre. Meinem Telefon ging nach zehn Minuten der Saft aus und so beschloss ich mich neben das Fenster zu setzen und nach ihrem Auto Ausschau zu halten. Ich saß eine Weile dort und meine Augen wurden allmählich schwer und ich begann wegzudösen. Ein krachendes Geräusch ließ mich aufwachen. Es war nicht laut, aber gerade genug, um mich in die Realität zurückzuholen. Ich sah aus dem Fenster und musterte die Umgebung, aber ich konnte niemanden sehen. Auf der anderen Seite der Straße, neben einem Haufen Müllbeuteln und einem dieser enormen Müllcontainer sah ich einen auf den Boden geworfenen Computer und einen Monitor, die zuvor noch nicht da gewesen waren.

Eine Minute später postet der anonyme Autor den nächsten Teil:

Als meine Freundin ankam, ging ich hinunter und grüßte sie, und gerade als ich dabei war ins Auto einzusteigen, erinnerte ich mich, dass einer meiner Freunde sein Netzteil geschrottet hatte, weshalb ich entschloss, hinüber zum Müllhaufen zu gehen, und zu schauen, was ich erbeuten könnte. Der Monitor war wertlos, aber der Tower schien kaum beschädigt, also lud ich ihn in den Kofferraum und wir fuhren davon.

Etwa eine Woche war vergangen und ich hatte den Tower bereits komplett vergessen, als mich eines Tages meine Freundin anrief, um mir mitzuteilen, dass er immer noch im Kofferraum war und sie ihn da raus haben wollte. An diesem Abend brachte ich ihn nach Hause und bevor ich ihn zerlegte, beschloss ich, ihn mit meinem Monitor zu verbinden, um zu sehen, ob er immer noch lief und zu meiner Überraschung tat er es. Es war ein XP-Betriebssystem und es sah so aus, als wäre er bereinigt worden. Ich denke wirklich aus krankhafter Neugier, beschloss ich, nach Wörtern wie „porn“, „tits“ und „pussy“ zu suchen, in der Hoffnung ein geheimes Versteck voll mit bizarren, abartigen Pornos zu finden, die der Vorbesitzer vergessen hatte. Die Suche ergab keine Treffer. Suchte nach Bilddateien – nichts. Dann suchte ich nach Videos und eine Datei erschien. Es war ein .avi in einem Ordner namens „barbie“ versteckt im WINDOWS/system32-Verzeichnis. Also spielte ich es ab …

Nun, das ist der Moment, an dem es extrem verstörend wurde.

Abermals eine Minute später veröffentlichte er den vorerst letzten Teil:

Der Film war etwa eine Stunde lang und wirkte wie exportiertes Rohmaterial. Das Filmmaterial zeigte diese Frau, die auf einem Stuhl vor einem weißen Hintergrund sitzt, und erzählt. Ich sprang durch den Großteil des Films und es war alles die gleiche Aufnahme. Dann beschloss ich das ganze Material zu sichten, um herauszufinden, worüber sie sprach … etwa fünfzehn Sekunden nach dem Start wird der Ton unheimlich schlecht und ihre Stimme versinkt in einem grellen Störgeräusch / Hintergrundgeräusch. Ich konnte nichts verstehen. So importierte ich das Material in Final Cut und versuchte mit den Pegeln zu spielen, um ihre Stimme zu isolieren, es half ein wenig, aber ich konnte trotzdem nicht hören, was sie sagte. Nun ist meine Neugier geweckt … und ich beginne genau auf ihr Gesicht und ihre Körpersprache zu achten. Es wirkt so, als würden ihre einige Fragen gestellt, weil sie hin und wieder unterbricht, um zuzuhören, und dann weiter spricht. 15 Minuten nach dem Anfang beginnt sie zu erröten und ihr Gesicht zu verzerren, als ob ihr die Fragen unangenehm seien … Aber sie fährt trotzdem damit fort, sie zu beantworten. Kurz danach beginnt sie zu weinen. Sie schluchtzt hysterisch für die Dauer des Films. Eines der wenigen Wörter, die ich von den Lippen ablesen konnte, war „Haut“. Sie wiederholt dieses Wort mehrere Male verteilt über die gesamte Aufnahme und an einer Stelle zieht sie sogar an der Haut ihres Armes und bildet mit den Lippen das Wort. Sie scheint unglücklich mit ihrer Haut zu sein.

Da ist noch viel mehr, was ich loswerden muss, aber es wird spät und ich kann nicht weitermachen. Ich werde den Rest morgen mit euch teilen. Gott beschütze meine Seele.

Offenbar braucht unser anonyme Autor nicht sonderlich viel Schlaf, denn bereits zweieinhalb Stunden später schreibt er weiter …

Es baute sich immer weiter auf und nach etwa 40 Minuten war sie so stark am Weinen, dass sie kaum noch in die Kamera schauen konnte. Sie hört auf, zu erzählen, und für die restliche Zeit zeigt das Material nur noch, wie sie mit gesenktem Kopf weint. Ungewöhnlicher Weise steht sie nicht auf oder bewegt sich … dann wird das Bild schwarz. Ich war verdammt fassungslos. Ich habe das ganze Ding mehrere Male in dieser Nacht abgespielt, um Beugungen und Nuancen in ihrer Bewegung zu finden, die enthüllen könnten, was da vor sich ging. Ich fühlte mich so unbefriedigt, ich wollte mehr wissen.

Das war der Moment, in dem ich bemerkte, dass noch 10 Minuten in der Zeitleiste verblieben, nachdem das Bild schwarz wurde, und nach etwa 2 Minunten war da weiteres Filmmaterial. Das Material war extrem verwackelt, beinahe unansehbar, und zeigte ein Paar Beine, die Gleise entlang liefen. Ich schätze, dass die Kamera versehentlich angelassen wurde, während sie irgendwo hingetragen wurde. Die Person in dem Video läuft entlang der Eisenbahntrasse für ungefähr 6 Minuten und biegt dann in den Wald ab und läuft über etwas, das aussieht wie Laub, abgedeckt mit einem Stück Sperrholz. Die Person läuft auf dieser behelfsmäßigen Straße aus Sperrholz weiter bis der Filmclip endet.

Wieder geht es nach einer Minute weiter:

Nun begann mein Herz vor Aufregung zu pochen, weil einige Meilen entfernt eine Eisenbahntrasse verlief, die sehr ähnlich aussah wie die in dem Video. Ich MUSSTE das einfach überprüfen. Ich rief meinen Freund Ezra an, er ist 1,93 m groß, 113 kg schwer, hauptsächlich Muskeln und ich überzeugte ihn, mit mir auf ein kleines Abenteuer zu gehen. Ich bin selbst kein Schwächling, aber ich meinte, wenn ich im Wald umher wandere, nach was-weiß-ich suche, könnte ein bisschen zusätzliche Muskelmasse nicht schaden. Diese gesamte Idee das Video zu untersuchen, hatte mich so aufgeregt, dass ich nicht schlafen konnte.

Am nächsten Morgen, an einem sonnigen Samstag, nahm ich meine Taschenlampe, meine Kamera und mein 18 cm langes Ka-Bar mit einem matt-schwarzen Finish und gezackten Kanten und holte Ezra ab. Als ich an seinem Haus ankam, war er noch nicht wach. Als ich ihn aufweckte, gab er mir zu verstehen, dass ich mich verpissen sollte. Ich war bereits startklar und hatte mich mental darauf vorbereitet, also entschloss ich, ohne ihn weiterzumachen. Ich parkte mein Auto am Bahnhof, nahm meine Sachen und sprang auf diese Gleise. Nachdem ich etwa zwei Stunden gelaufen war, sah ich ein zerbrochenes Stück Sperrholz und ich bekam vor Begeisterung weiche Knie. Ich durchsuchte das umliegende Laub und da war es, eine kleiner Pfad aus Sperrholz, der in den Wald führte. Ich lief den Pfad langsam entlang, aufmerksam auf alles achtend. Ich stoppte dann und wann, kniete mich hin und horchte auf irgendwas oder irgendwen … aber es war so ruhig. Das war eines der nervenaufreibensten Dinge, die ich je getan habe. Ich wusste nicht, was mich am Ende des Pfades erwarten würde.

Und noch einmal eine Minute später:

Die dichte Baumreihe wich einer kleinen Insel aus grasigem Feld, und dann sah ich es – Es war ein Haus, das aussah, als wäre es vom Wald verschlungen worden. Dem Aussehen nach hatte dort niemand für die letzten 20 vielleicht 30 Jahre gelebt. Ich nahm meine Kamera und machte ein paar Bilder. Einige Meter abseits des Hauses war ein Werkzeugschuppen aus rostigem Blech. Ich saß einfach da zwischen den Bäumen für eine Weile, alles in mich aufnehmend. Ich wollte nicht hinaus in das offene Feld gehen, ich hatte das dumme Gefühl, dass irgendetwas mich sehen könnte. Es dauerte eine Weile, bis ich den Mut zusammenzubringen konnte, zum Haus hinüber zu gehen. Die Tür war halboffen, ich drückte sie mit der Taschenlampe hinein und war erleichtert, dass der Innenraum tatsächlich sehr gut ausgeleuchtet war. Ich packte meine Taschenlampe weg, nahm meine Kamera und machte ein paar Bilder. Da waren keine Möbel, der Boden war übersät mit Ziegelsteinen und Holz und Schutt, und ein paar der Wände hatte große Löcher. Als ich zur Erkundung weiter hinein ging, sah ich einige Dinge, denen ich in diesem Moment keine größere Bedeutung zumaß, aber mich nun, da ich darüber nachdenke, beunruhigen.

Wieder eine Minute folgt der letzte Teil:

Die erste Sache, die ein bisschen ungewönlich erschien, war, dass eine der Türen im ersten Raum, von der ich vermutete, dass sie zum Keller führt, ein bisschen zu neu für dieses Haus wirkte, und dass es die einzige Tür im Haus war, die verschlossen war. Als ich mich auf den Weg zur ersten Etage machte, sah ich außerdem einige Stühle und einen Klapptisch, die ebenfalls ein bisschen zu neu wirkten, um dort zu sein. Aber was mich aus irgendeinem Grund am meisten beunruhigte, war das Badezimmer. Der Staub vom Spiegel war weggewischt worden und in der Badewanne sah ich eine durchsichtige Plastikplane, die immer noch einige Wassertröpfchen darauf hatte von dem Moment, so nehme ich an, als sie gesäubert wurde. Das war der Zeitpunkt als ich etwas wirklich laut ächtzen hörte und ich aus dem Fenster im ersten Stock springe und zurück zu den Gleisen gerannt bin. Auf halben Wege kam mir die Erkenntnis, dass das Ächtzen am ehesten ein Wasserrohr war, dass sich ausgedehnt oder zusammengezogen hatte, und dieser kurze Moment der Beruhigung wich dem Schrecken, den ich empfand, als ich mich fragte, warum in einem verlassenen Haus in mitten eines verdammten Waldes Wasser laufen würde. Es sind etwas mehr als 2 Monate vergangen, seit das passiert ist und ich war weder dahin zurückgegangen, noch plane ich es.

Bereits auf den ersten Blick erscheint die Erzählung wie eine mittelmäßige, fiktionale Gruselgeschichte. Während Emotionen und die Szenerie blumig und detailverliebt dargestellt und unwesentliche Fakten sehr präzise aufgeführt werden, fehlen geradezu alle relevanten Informationen. Es bleibt offen, wo sich das ganze zugetragen haben soll (nicht mal das Land wird genannt). Der Autor weiß zwar noch, dass er das Haus an einem sonnigen Samstag aufsuchte, aber ein Datum wird nicht angegeben. Er erkannte sofort die Eisenbahntrasse wieder, machte aber keine Angaben, wo sich diese befinden soll. Und so weiter.

Nachdem auch viele Reaktionen im Originalthread eher skeptisch ausfielen, postete der Autor einige wenige Bilder vom vermeintlichen Haus und später noch einzelne Screencaps vom Video, die jedoch heute nicht mehr im Original erhalten sind. Anfragen nach einem Upload des Videos oder weiteren Informationen wich der Autor aus oder er ging erst gar nicht darauf ein. Als schließlich jemand die Screencaps einem französischen Film namens „Albert souffre“ von 1992 zuordnete und der Autor schon eine Weile nichts Neues mehr gepostet hatte, schlief die Sache relativ schnell wieder ein. Im Web findet man einige Hinweise, dass die gleiche Geschichte mit geringfügig veränderten Details kurze Zeit später noch einmal in einem französisch-sprachigen Forum aufgetaucht ist, das heute allerdings nicht mehr exisitert.

Das Video

Am 9. August des gleichen Jahres lud dann ein Benutzer namens „xenopasta“ auf YouTube drei Videos mit den Titeln barbie.avi [9:20 min], barbie.avi (part 2) [5:30 min] und barbie.avi (part 4) [2:09 min] hoch. Die drei Videos zeigen offenbar das zuvor beschriebene Videomaterial mit jener Frau. Das erste Video enthält als Kommentar den Link zum 4chan-Post, das dritte Video weist im Kommentar darauf hin, dass der dritte Teil bislang noch nicht hochgeladen worden sei. Seitdem wurden keine weiteren Videos mehr auf dem Kanal hochgeladen. Geht man nach der Aussage aus dem 4chan-Thread, fehlen noch über 40 Minuten vom Originalvideo.

Gegenüber der Beschreibung aus dem 4chan-Thread gibt es folgende Abweichungen:

  • Der Hintergrund ist nicht weiß, sondern beige. Dies hatte der Original-Poster jedoch selbst noch korrigiert, nachdem er den ersten Screencap hochgeladen hatte.
  • Es handelt sich nicht um eine durchgehende Aufnahme. An einigen Stellen wurde erkennbar geschnitten. Vielleicht meinte er aber auch nur, dass das Setting stets das gleiche bleibt.
  • Die Emotionen der Frau schwanken zwischen fröhlich und neutral, nur an einzelnen Stellen kann man ggf. ein leicht verzerrtes Gesicht ausmachen. Demnach müsste das gesamte Material aus den ersten 15 Minuten stammen. Da die hochgeladenen Sequenzen zusammen schon auf etwas über 15 Minuten kommen, bleibt fraglich, wie der fehlende, dritte Teil dann noch dazwischen passen soll.
  • Laut dem Autor handelte es sich um eine einzelne Videodatei. Es bleibt unklar, warum diese in einzelnen, ungleich großen Stücken hochgeladen wurde, von denen man nicht so richtig weiß, wie sie überhaupt zusammengehören.

In den Videodateien befinden sich zudem folgende, außergewöhnliche Frames:

barbie.avi: Tracking

Driekt am Anfang des vermeintlich ersten Teils befindet sich für gut zwei Sekunden die Einblendung „Tracking“ in der unteren Bildhälfte. Wahrscheinlich wurde die Aufnahme direkt am Videoausgang eines analogen Videorecorders abgegriffen, bei dem die Lage der Videospur justiert werden konnte.

Barbie.avi: Lizenzhinweis

Unmittelbar bevor der Film einsetzt, sieht man für den Bruchteil einer Sekunde einen Lizenzhinweis. Es wird die amerkanische Schreibweise „licensed“ anstatt der britischen „licenced“ verwendet.

Barbie.avi: BIID

Direkt am Anfang des vierten Teils befindet sich für etwa eine Sekunde die Einblendung „(BIID)“ in der unteren Bildhälfte. Dem Anschein nach wurde der Text nachträglich digital eingefügt.

Barbie.avi Datum 1

Barbie.avi Datum 2

In dem Moment, in dem das Bild im vierten Teil aussetzt, kann man zwei Mal kurzzeitig einige Zeichen am rechten, unteren Rand ausmachen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Datumsangabe, wobei „4 10 88“, „4 10 89“, „4 10 98“ oder „4 10 99“ plausibel wären.

Neuere Erkenntnisse

Mittlerweile wurde von verschiedenen Seiten klargestellt, dass das Videomaterial nicht wie behauptet aus dem Film „Albert souffre“ stammt. Der Film ist anders als zuvor oft dargestellt kein Horrorfilm, sondern eine Komödie, in der nicht einmal ansatzweise eine solche Szene vorkommt.

Die Einblendung BIID könnte als Abkürzung für Body Integrity Identity Disorder stehen, eine nur wenig erforschte psychische Störung, bei der die Betroffenen den dringenden Wunsch verspüren, körperlich behindert zu sein. Dies kann im Zusammenhang mit Xenomelie stehen, dem Erleben, dass bestimmte Gliedmaßen fremd sind und nicht zum eigenen Körper gehören. Erleichterung erfahren die Betroffenen im besten Fall dadurch, eine Behinderung zu simulieren oder sich Gliedmaßen wegzubinden, um die Behinderung zu erleben; im äußersten verletzen sie ihre Gliedmaßen in der Hoffnung, dass diese amputiert werden müssen.

Barbie.avi: Amputierter Arm

In den letzten Einstellungen des vierten Videos (einmal unmittelbar vor dem Aussetzen des Bildes und einmal direkt am Ende der Videodatei) scheint die unbekannte Frau ihren rechten Arm nach oben in den Bereich der Kamera zu bewegen, wobei es so wirkt, als sei der rechte Arm bis über den Ellenbogen amputiert worden. Zwei weitere Bilder kursieren durchs Web, auf denen die Amputation vorgeblich deutlicher zu erkennen ist. Sie stammen jedoch nicht aus den hochgeladenen Teilen des Videos und ihre Herkunft bleibt im Dunkeln.

Meine Analyse

Die Erzählung aus dem 4chan-Board besitzt keinerlei belastbare Fakten. Sie kann real sein, sie kann aber auch frei erfunden sein, oder irgendetwas dazwischen. Als einzig belastbares Material verbleibt somit nur das Video. Inhaltlich bietet das Video wenig: eine Frau vor monotonem Hintergrund, die etwas erzählt, was aufgrund der schlechten Audioqualität komplett unverständlich bleibt, die raucht, die am Ringfinger einen Ring trägt, also vielleicht verheiratet ist, Frisur und Kleidung entstammen früheren Jahrzehnten.

Ich habe mich daher mit den Störungen des Filmmaterials intensiver auseinandergesetzt. Zuerst einmal ist da ein Hintergrundrauschen, das typisch für gealterte Magnetbänder ist. Es entsteht durch fortwährende, schwache Magnetisierung der Bänder aufgrund natürlicher Magnetfelder. Man hört es im Audiokanal als durchgehendes Brummen und man sieht es im Videokanal als ausblutende Farben. Die meisten Videoformate nutzten nur sehr geringe Bandbreiten für den Audiokanal und den Farbkanal, während dem Helligkeitssignal viel Bandbreite eingeräumt wurde und das dementsprechend weniger anfällig dafür ist. Interessant ist das Verhalten des Hintergrundrauschens an Bildschnitten. Im ersten Video bleibt das Rauschen konstant, während sich bei Schnitten im zweiten und dritten Teil meist die Qualität des Rauschens verändert. Für mich ist das ein Indiz, dass die Schnitte im ersten Teil bereits vorhanden waren, als das Video auf Band aufgespielt wurde, während die anderen Schnitte offenbar später angefertigt wurden.

Desweiteren ist der Audiokanal regelmäßig übersteuert, offenbar weil er ohne Begrenzung nachträglich stark verstärkt wurde. Hinzu kommt eine Art Halleffekt, dessen Herkunft ich mir nicht so richtig erklären kann. Vermutlich wurde er später digital dort eingerechnet. Zuletzt bemerkt man noch eine mangelnde Synchronität zwischen Video- und Audiokanal. Dies entsteht typischerweise beim digitalen Konvertieren von Videos, wenn eine falsche Bildwiederholrate eingestellt wurde und das Video somit zu schnell oder zu langsam gegenüber dem Ton abläuft. Auffällig ist hier, dass sich der Synchronitätsfehler an den mutmaßlich später eingefügten Schnitten ändert, sodass die Schnitte offensichtlich ebenfalls danach eingefügt wurden.

Ich halte daher folgende Ereigniskette für plausibel: Das Videomaterial wurde in einer ersten Schnittfassung auf ein Magnetband aufgezeichnet. Dabei könnte es sich um eine Art Lehrvideo handeln, welches bspw. die erwähnte psychische Störung thematisiert und sich an angehende oder fortbildende Psychologen richtet. Als das Videoband bereits starkt gealtert war, wurde es digitalisiert, dabei allerdings der Ton übersteuert und die Synchronität von Video und Audio nicht beachtet. Entweder wurde dies bewusst herbeigeführt oder (mit Bezug zur Geschichte) es war eine Fehlkonvertierung, die nicht weiter verwendet wurde und daher in einem temporären Verzeichnis vergessen wurde (wobei das system32-Verzeichnis eigentlich kein Ort für die Ablage temporärer Dateien ist). Auf jeden Fall wurde das Video (bzw. die beiden letzten Teile davon) aber später nochmal einmal bewusst neu geschnitten.

Meine Hyptohese

Aufgrund meiner Analyse gehe ich davon aus, dass der Poster oder eine ihm nahestehende Person das Video bewusst an mehreren Stellen nachträglich geschnitten und ggf. zusätzlich verfremdet hat. Vermutlich hätte der Rest des Videos oder einige der gesprochenen Sätze nicht mehr so ganz zur Geschichte gepasst. Von daher vermute ich, dass die Geschichte größtenteils erfunden ist. Möglich ist, dass der Poster tatsächlich das Video auf einem alten Rechner entdeckt hat, aber er könnte das Video auch selbst digitalisiert haben. Ich gehe aber stark davon aus, dass es zu dem Video ein älteres Original gibt, aus dem Szenen entnommen wurden. Es könnte sein, dass das Originalvideo auch noch ganz andere Szenen enthielt und hier krampfhat alle Szenen zusammengesucht wurden, die die Frau zeigen. Das würde auch die Unterteilung in verschiedene Videodateien erklären und warum nur gut 15 Minuten es angeblich einstündigen Videos veröffentlicht wurden. Um die Hypothese zu bestätigen, wäre es natürlich interessant, das besagte Originalvideo zu finden, aber aufgrund der vermutlich geringen Verbreitung könnte sich das auch in Zukunft schwierig gestalten.

Der Dyatlov-Pass-Vorfall …

Die ganzen westlichen, mysteriösen Zwischenfälle wie bspw. der Roswell-Vorfall 1947 sind für manche Menschen ja mittlerweile kalter Kaffee und schon so oft aufgebrüht worden, dass man kaum noch den Kaffee darin erkennen mag. Der Osten dagegen scheint noch so einige eigenwillige Vorfälle vorzuhalten. Der bekannteste ist wohl noch das Tunguska-Ereignis. Über einen Beitrag bei Ehrensenf [Dieses Webangebot ist nicht mehr verfügbar.] bin ich gestern auf einen weiteren Vorfall aus dem Jahre 1959 im russischen Uralgebirge aufmerksam geworden, der im Gegensatz zu den anderen Geschehnissen zunächst wenig spektakulär klingt, aber gleichwohl besonders mysteriös. Da es allerdings an guten deutschsprachigen Quellen zu dem Vorfall mangelt, habe ich aus den englischsprachigen Quellen (und einigen google-übersetzten russischen Quellen) eine Zusammenfassung der Ereignisse geschrieben. Auch wenn ich nach bestem Gewissen versucht habe mich an die Fakten zu halten und Spekulationen als solche gekennzeichnet habe, kann ich nicht ausschließen, dass auch schon manche der Quellen, die ich verwendet habe, Fehler in einer klaren Differenzierung gemacht haben.

Der Vorfall

Anfang des Jahres 1959 wurde in Jekaterinenburg (damals noch unter dem Namen Swerdlowsk) eine Gruppe für eine Skilanglauf-Expedition zusammengestellt, die den Berg Otorte im Ural zum Ziel hatte. Die Gruppe bestand aus 8 Männern und 2 Frauen:

  1. Igor Dyatlov, 23 Jahre (Student, Leiter der Expedition)
  2. Zinaida Kolmogorova, 22 Jahre (Studentin)
  3. Lyudmila Dubinina, 21 Jahre (Studentin)
  4. Alexander Kolevatov, 25 Jahre (Student)
  5. Rustem Slobodin, 23 Jahre (Student)
  6. Georgyi Krivonischenko, 24 Jahre (Absolvent)
  7. Yuri Doroshenko, 21 Jahre (Absolvent)
  8. Nikolai Tibo-Brinyol, 24 Jahre (Absolvent)
  9. Alexander Zolotarev, 37 Jahre
  10. Yuri Yudin

Zum überwiegenden Teil waren sie Studenten oder Absolventen des polytechnischen Instituts des Urals, die sich durch die Expedition einen besseren Abschluss Ihres Sportstudiums erhofften. Alle waren erfahrene Skilangläufer und Kletterer.

Am 25. Januar 1959 erreichte die Gruppe den Ort Iwdel mit dem Zug, um direkt im Anschluss per LKW weiter nach Vishay zu fahren, einer kleinen Siedlung vor den Bergen des Urals, die als Ausgangspunkt der Expedition dienen sollte. Von hier aus hatte die Gruppe einen ? km langen Marsch nach Nordwesten vor sich. Die Strecke war zu dieser Jahreszeit als Kategorie 3 eingestuft, die schwierigste. Am 27. Januar begann die Gruppe schließlich ihre Wanderung. Doch schon am darauffolgenden Tag musste Yuri Yudin die Gruppe wegen gesundheitlicher Probleme verlassen und kehrte wieder nach Vishay zurück. Er sollte der letzte sein, der die verbleibenen 9 Gruppenmitglieder lebend gesehen hatte.

Es war geplant, dass der Leiter der Gruppe Igor Dyatlov von Vishay an seinen Sportverein telegraphieren sollte, sobald die Gruppe von Ihrer Expedition zurückgekehrt war, was ursprünglich für den 12. Februar geplant war. Zunächst machte sich jedoch niemand Sorgen, als der 12. Februar ohne Nachricht von der Gruppe verstrich, da es häufig zu Verzögerungen bei solchen Expeditionen kam. Yudin sagte später außerdem aus, dass Dyatlov ihm vor seiner Umkehr mitgeteilt habe, dass er davon ausgehe, einige Tage länger als geplant für die Route zu benötigen. Am 20. Februar erwirkten schließlich einige Angehörige, dass das Institut eine Gruppe freiwilliger Studenten zusammenstellen ließ, die die vermisste Gruppe suchen sollte. Später beteiligten sich außerdem die Polizei und die Armee mit Hubschraubern und Flugzeugen an der Suchaktion.

Am 26. Februar fanden die Suchtrupps schließlich ein Zelt am Hang des Berges Kholat Syakhl, etwa 10 km südlich vom Otorten (siehe untere Abbildung, Position Z – die Bergspitze links davon markiert den Kholat Syakhl). Das Zelt gehörte der vermissten Gruppe, doch es war verlassen und größtenteils zerstört. Außerdem hatten die Mitglieder anscheinend ihre gesamte Ausrüstung hier zurückgelassen (Bild des Zeltes, wie es der Suchtrupp am 26. Februar vorfand).

kholat-syakhl

Schon das Zelt und dessen Fundort gaben erste Rätsel auf. Aus Tagebüchern der Gruppe, die in dem Zelt gefunden wurden, geht hervor, dass die Gruppe am 31. Januar nach Wanderung entlang des Flusses Auspii unten im geschützten Tal ein Versorgungslager errichtete (siehe obige Abbildung, Position V, grob geschätzt), um nicht die gesamte Ausrüstung mit in die Berge nehmen zu müssen. Nachdem man dort die Nacht verbrachte, machte man sich am 1. Februar auf in die Berge. Sinnvoll wäre nun gewesen das Gebirge durch den Gebirgspass (entlang der gestrichelten Linie) zu durchqueren, um in der folgenden Nacht die Zelte wieder in den schützenden Wäldern auf der Gegenseite zu verbringen. Stattdessen lief die Gruppe fast geradewegs den Kholat Syakhl hinauf und errichtete ihr Lager völlig ungeschützt an dessen Hang. In den Tagebüchern findet sich keine Begründung für diese eigenwillige Route. Eventuell hatte sich die Sicht durch einen Schneesturm derart verschlechtert, dass die Gruppe die Orientierung verlor und ihren Fehler zu spät bemerkte.

Bei der Untersuchung des Zeltes stellte sich zudem heraus, dass es von innen her an mehreren Stellen aufgeschlitzt worden war. Da das Zelt auch jederzeit über den normalen Ausgang hätte verlassen werden können, sprach alles dafür, dass die Gruppe das Zelt in großer Panik fluchtartig verlassen haben musste. Vom Zelt aus führten 8 oder 9 verschiedene Fußspuren, die durch Vergleich den Mitgliedern der Gruppe zugeordnet werden konnten, nach Nordosten geradewegs den Hang hinab, die jedoch nach 500 m endeten, da sie dort mittlerweile vom Schnee überweht worden waren.

Nachdem man jedoch der Richtung etwa einen weiteren Kilometer gefolgt war, fand der Suchtrupp direkt an der Baumgrenze unter einer mächtigen Kiefer die Leichen von Krivonischenko und Doroshenko (Position 4). Beide trugen bis auf etwas Unterwäsche keine Kleidung an sich. In unmittelbarer Nähe zu ihnen fanden sich die Überreste eines Feuers. Außerdem sah es so aus, als wäre jemand die Kiefer hinaufgeklettert. Bei der weiteren Suche fand man drei weitere Leichen auf dem Weg zwischen dem Lager und der Kiefer. 300 m von der Kiefer entfernt fand man den Expeditionsleiter Dyatlov (Position 3), 480 m entfernt Slobodin (Position 2) und 630 m entfernt Kolmogorova (Position 1). Die Suchtrupps berichteten, dass die Körperhaltung der Leichen vermuten ließ, dass sie versucht hätten zum Lager zurückzukehren. Auch sie trugen kaum Kleidung an sic. (laut den google-übersetzten, angeblich originalen Ausschnitten aus dem Untersuchungsbericht in Anna Matveyevas semifiktionaler Geschichte „Dyatlov pass“ waren die drei Mitglieder relativ warm gekleidet, nur ohne Schuhe gefunden worden; die ursprüngliche Aussage ist damit zumindest zweifelhaft)

Während die verbleibenden 4 Mitglieder weiterhin als vermisst galten, begann man die gefundenen 5 Leichen gerichtsmedizinisch zu untersuchen. Keine der Leichen wies eine äußere Verletzung auf außer einigen Schrammen irgendeine Verletzung auf; lediglich Slobodins Schädel hatte eine kleinere Fraktur etwa 17 cm lange Fraktur, was jedoch von den Gerichtsmedizinern als Todesursache ausgeschlossen wurde. Als offizielle Todesursache wurde bei allen 5 Personen daher Unterkühlung festgestellt. Der Tod war etwa 6 bis 8 Stunden nach ihrer letzten Mahlzeit eingetreten.

Erst am 4. Mai fand man auch die Leichen der 4 verbleibenden Mitglieder. Sie waren unter einer 4 Meter dicken Schneedecke 75m weiter ins Tal hinab begraben (Position 5). Sie waren etwas besser gekleidet, wobei sich ihre Kleidung teilweise aus Fetzen der Kleidung anderer Mitglieder zusammensetzte. Zolotarev trug Dubininas Pelzmantel, Dubininas Füße waren in Fetzen von Krivonischenkos Hose gehüllt. Während bei Kolevatov ebenso wie bei den anderen 5 Mitgliedern Unterkühlung als Todesursache festgestellt wurde, wiesen die anderen 3 schwerste innere Verletzungen auf. Tibo-Brinyols Schädel war regelrecht zertrümmert, Dubinina und Zolotarev hatten mehrere gebrochene Rippen. Auch sie wiesen jedoch keine keinerlei äußere Verletzungen auf, so als wären die Brüche durch eine starke Druckeinwirkung entstanden. Außerdem soll Dubininas Zunge gefehlt haben.

Theorien zum Vorfall

Eine Theorie, die die Polizei offiziell untersuchte, war die, dass Angehörige des Mansenvolkes die Gruppe angegriffen hatten, weil sie sich auf geheiligtem Boden befand. Die Theorie wurde jedoch schnell wieder verworfen, da es in diesem Gebiet keinen geheiligten Boden der Mansen gab und nichts rund um das Zelt oder um die Fundorte der Leichen auf die Anwesenheit weiterer Menschen schließen ließ. Der Fall wurde daraufhin nach wenigen Monaten wegen eines fehlenden Schuldigen eingestellt. Die Akten wurden zunächst vertraulich behandelt und schließlich in den 90ern veröffentlicht (einige wenige Teile sollen jedoch fehlen).

Der aufgebrachten Bevölkerung in der Region erklärte man, der Tod der Gruppenmitglieder sei auf eigene Fehler und eine schlechte Organisation der Expedition seitens des Sportvereins zurückzuführen. Doch es wirkt abseits jeder Logik, wieso 9 Menschen anscheinend mitten in der Nacht (das würde ihre spärliche Bekleidung erklären) bei geschätzten -30 °C Außentemperatur ohne ersichtlichen Grund in Panik ihr Zelt verlassen und ohne Ausrüstung 1,5 km den Berg hinunterlaufen sollten.

Daher stellten verschiedene Personengruppen in der Folge ihre eigenen Erklärungen für den Vorfall auf, die wie immer bei solchen Mysterien eine Bandbreite bis hin zur Involvierung von Außerirdischen aufweisen und deren ausführliche Erörterung hier nicht lohnt. Man kann jedoch zwei wesentliche Haupttheorien herausfiltern.

Die eine Theorie geht von militärischen Test aus. Diese Theorie stützt sich in der Hauptsache auf 3 inoffizielle Aussagen. Zum einen wollen die Angehörigen der Verstorbenen ausgesagt haben, dass sie bei der Beerdigung eine merkwürdige Orangefärbung der Haut und fast völlig ergraute Haare bei den Opfern bemerkt haben wollen. Weiterhin will ein Mitglied des Suchtrupps ausgesagt haben, dass er auf seinem Dosimeter eine erhöhte radioaktive Strahlenbelastung in der Gegend gemessen haben will. Daraufhin sollen die Leichen auf Radioaktivität hin untersucht worden sein, wobei einige Kleidungsstücke eine erhöhte Strahlung aufgewiesen haben sollen. Die Ergebnisse fehlen jedoch in dem endgültigen Bericht. Bei dieser Aussage stellt sich die Frage, wieso der Suchtrupp überhaupt ein Dosimeter mit auf die Suche nahm und wie hoch die angebliche Strahlung überhaupt war. Bei dem damals noch relativ lockeren Umgang mit radioaktiven Stoffen, mögen diese vielleicht schon von Anfang an in der Kleidung verarbeitet gewesen sein (bspw. in Farbstoffen), weshalb auch nur diese Kleidungsstücke die Radioaktivität aufwiesen. Und zu guter letzt wollen mehrere Augenzeugen orangefarbene Kugeln am Nachthimmel in der Zeit von Februar bis März gesehen haben. Eine Wandergruppe, die sich etwa 50 km von der Gruppe entfernt befand, will solch eine Erscheinung auch in jener Nacht in Richtung des Kholat Syakhl beobachtet haben und ein Mitglied des Suchtrupps berichtet von einer solchen Erscheinung am 31. März. Eine besonders große Häufigkeit von Meteoritenschauern in diesem Zeitraum könnte diese Erscheinungen erklären.

Die Frage ist auch, was für eine militärische Aktion den Vorfall verursacht haben soll. Selbst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion will niemand etwas von militärischen Tests oder einer Anlage in dieser Gegend wissen. Es scheint auch zweifelhaft, wieso in dieser öffentlich zugänglichen Gegend militärische Test durchgeführt werden sollten, wenn die Sowjetunion genügend Sperrgebiete dafür besaß. Auch wenn diese Theorie viele Befürworter hat, bleibt sie trotzdem irgendwie unbefriedigend und spekulativ.

Die andere Theorie besagt, dass sich oberhalb des Lagers am Kholat Syakhl eine Lawine gelöst habe, die die Gruppe unter sich begraben habe. Die inneren Verletzungen der drei Mitglieder könnten danach von den Schneemassen verursacht worden sein und das Zelt aufgeschnitten worden sein, weil der normale Ausgang zu diesem Zeitpunkt verschüttet war. Wenn sie sich jedoch alle aus dem Zelt befreien konnten, stellt sich die Frage, wieso dann keine Zeit mehr dafür war, die überlebensnotwendige Kleidung mitzunehmen. Wenn sich außerdem die Verletzungen bereits oben am Zelt ereignet haben, stellt sich die Frage, wieso gerade die verletzten Mitglieder (Tibo-Brinyol hätte der Schädelfraktur zur Folge bewusstlos sein müssen) den weitesten Weg vom Zelt zurückgelegt haben. Auch diese Theorie weist also Widersprüche auf.

Quellenangaben