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Alle Beiträge der Kategorie: Internet

Don’t count on me

Ein 19-jähriger Kanadier aus der Provinz Nova Scotia wurde letze Woche verhaftet, weil er öffentlich verfügbare Dokumente heruntergeladen hat, deren Dateinamen er vorhersehen konnte. Ihm wird der unautorisierte Gebrauch eines Computersystems vorgeworfen. Ihm drohen bis zu 10 Jahre Gefängnis.

Grunge Warning Sign von Nicolas Raymond

Aber der Reihe nach. Der junge Kanadier will sich beim Informationsfreiheitsportal seiner Provinz über Arbeitsniederlegungen der örtlichen Lehrerschaft informieren. Beim Informationsfreiheitsportal können Bürger Informationen anfragen, die über das Anfragethema oder sie selbst staatlicherseits gespeichert sind. Informationen über allgemeine Anfragethemen werden nachher üblicherweise zum öffentlichen Abruf auf die Website gestellt.

Doch der junge Mann findet auf die Schnelle nicht, wonach er sucht. Ihm fällt jedoch auf, dass die Dateinamen der Dokumente, die er bei seiner Recherche herunterlädt, immer den gleichen Namen haben, nur unterschieden durch eine nachgestellte Zahl. Die Zahl erscheint ihm dabei alles andere als zufällig und so konfiguriert er ein Tool, welches nach dem immer gleichen Muster die Dokumente abruft und dabei nur im Dateinamen die Zahl hochzählt („file0001.pdf“, „file0002.pdf“, „file0003.pdf“, …). Er lässt das Tool über Nacht laufen und bis zum nächsten Morgen gelangen so etwa 7000 Dokumente auf seinen PC.

Die massenweisen Abrufe bleiben beim Serverbetreiber nicht unbemerkt. Was der junge Kanadier zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: unter den 7000 Dokumenten befinden sich auch etwa 250 mit persönlichen Informationen über einzelne Bürger, die Anfragen zu Ihrer Person gestellt hatten, und die deshalb nicht öffentlich verlinkt sind. Anstatt sich zu fragen, warum die Dokumente mit den äußerst sensiblen Informationen trotzdem ohne jede Schutzvorkehrung öffentlich abrufbar sind, schaltet man die Polizei ein.

Die Polizei kann die Quelle der Anfragen leicht zurückverfolgen, denn der junige Kanadier hat keinerlei Maßnahmen getroffen, die Anfragen zu verschleiern. Er hatte ja gar nicht die Intention etwas Verbotenes zu tun. Am Mittwochmorgen stürmen 15 Polizisten die Wohnung der Familie, stellen die komplette Wohung auf den Kopf und konfiszieren jegliche internetfähigen Geräte. Nachdem klar ist, dass die Anfragen vom Rechner des 19-jährigen kamen, verhaften sie ihn. Die gesamte Familie wird zum Verhör ebenfalls auf die Polizeistelle gebracht. Sein jüngerer Bruder, der bereits auf dem Weg zur Schule war, wird dort abgefangen und ebenfalls vorläufig festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft klagt den jungen Kanadier nun wegen der unautorisierten Nutzung eines Computersystems an. Ein Delikt, auf das bis zu 10 Jahre Freiheitsstrafe stehen. Das Informationsfreiheitsportal dagegen hielt es indes nicht für nötig, die betroffenen Bürger über ihre abhanden gekommenen Daten zu informieren. Auf Nachfrage, warum man dieser Verpflichtung nicht nachgekommen sei, verwies man zunächst auf die Polizei, die dies aus ermittlungstechnischen Gründen verlangt hätte. Als die Polizei jedoch richtigstellte, dass es niemals eine solche Anweisung gegeben hätte, verwies man stattdessen auf einen ungenannten Mitarbeiter, der dies ohne Rücksprache mit den Vorgesetzten verzögert hätte.

Es klingt wie eine verkehrte Welt. Anstatt dass sich die Provinzregierung dafür zu verantworten hat, warum persönliche Informationen ohne jegliche Schutzvorkehrung wie Passwortschutz oder Rechtemanagement online für jedermann abrufbar sind, der das Dateinamenmuster vorhersehen kann, wird ein 19-jähriger zum Sündenbock erklärt, der nun Angst um seine Zukunft haben muss. Selbst wenn die Anklage fallen gelassen oder er vor Gericht freigesprochen werden sollte, sendet dieser Fall dennoch die falschen Signale. Schutz von persönlichen Daten muss durch geeigenete Schutzmaßnahmen erfolgen, nicht indem man jene einschüchtert, die über solch eklatante Sicherheitslücken stolpern könnten.

Quellen

Wurden die Teletubbies in Deutschland verboten?

Bei einer kürzlichen Arbeitsphase kamen einige Mittelstufenschüler in unmittelbarer Nähe zum Lehrerpult über ihre Kindheitsserien ins Gespräch. Einem fielen dabei sofort die Teletubbies ein und man war sich sicher, dass niemand die gesehen habe. Allerdings erinnerte sich einer daran, dass die Teletubbies damals abgesetzt wurden, da sich ein Kind den Bauch mit einem Messer aufgeschlitzt habe, mit dem Vorhaben, sich wie bei den Teletubbies einen Fernseher dort einzusetzen. Auch die anderen erinnerten sich an den Vorfall. Mir kam das höchst eigenwillig vor und ich merkte an, dass das wie eine urbane Legende klinge. Die Schüler waren sich aber sicher, dass das so passiert sei.

Ausschnitt eines Bildes von Berit from Redhill/Surrey, UK – The Teletubbies are still here 2011, CC BY 2.0

Ich habe dann mal schnell über Google gesucht und fand … nichts. Dass offenbar keine Nachricht über einen solch dramatischen Vorfall im gesamten Internet exstierte, bekümmerte die Schüler herzlich wenig. Schließlich kannte jeder von ihnen die Geschichte – muss also stimmen. Zuhause musste ich der Sache dann doch noch mal nachgehen und fand auch bei anderen Schlüsselbegriffen höchstens Foreneinträge der Art „Ich habe mal gehört, dass …“. Seriöse Quellen: Fehlanzeige. Im englischsprachigen Raum sorgten sich einige fundamentale Christen darum, die Teletubbies enthielten homosexuelle Symboliken und forderten deshalb erfolglos ihre Absetzung; von dem besagten Vorfall: keine Spur.

Die einzige Quelle, die ich ausgraben konnte und die den Vorfall als faktisch präsentiert, ist die Spaßenzyklopädie „Stupidedia“. Dort heißt es im Artikel zu den Teletubbies:

Die Erstausstrahlung der Teletubbies begann 1999, wurde jedoch aufgrund von Berichten, Kinder würden sich den Bauch aufschlitzen um den Fernseher zu finden, und sich wie Teletubbies verhalten, […] sogleich wieder eingestellt.

Die Teletubbies, die übrigens erstmals 1997 ausgestrahlt wurden, sind erst 5 Jahre später eingestellt worden, weil man auf den Programmplätzen schlicht neue Konzepte ausprobieren wollte. 2015 sendete man noch einmal 60 neue Folgen, die meinem Kenntnisstand jedoch nicht mehr im deutschsprachigen Raum ausgestrahlt wurden. Aber die Geschichte mit dem bauchaufschlitzenden Kind klingt da natürlich viel cooler. Wen interressieren da schon Fakten?

Strom kommt aus der Steckdose und Wissen aus Google

Gestern hatte ich ein eher spezielles Computerproblem. Ich habe also Google befragt, ob vielleicht schon mal jemand ein ähnliches Problem hatte. Der erste vielversprechende Treffer führte in ein Diskussionsforum einer Computerzeitschrift, in dem exakt mein Problem von einem Benutzer geschildert wurde. Es gab eine einzige Antwort auf die Problemanfrage, die einen Link enthielt, unter dem man mehr erfahren könne. Der Link führte zu einer Website, die lediglich ausführlich erklärte, wie man Google richtig einsetze, um nach Problemlösungen zu suchen anstatt arme Mitmenschen mit solchen Fragen zu belästigen. Leute, die auf solche Seiten verlinken, haben echt das Internet verstanden. Gibt es dafür schon irgendeinen Preis?

Dieser Artikel ist aufgrund meines Urheberrechtanspruchs nicht mehr verfügbar …

Zugegeben, für viele Videos und deren Inhalte, die bei YouTube tagtäglich hochgeladen werden, haben die Uploader häufig gar nicht die erforderlichen Verbreitungsrechte. Insbesondere fremde Musik wird gerne mal unter das eigene Video gemischt. Die einen Musikkonzerne betrachten das als kostenlose Werbung und tolerieren es, wieder andere unterhalten anscheinend eine Standleitung zu YouTube, um solche Inhalte zeitnah wieder entfernen zu lassen. Das sieht dann beispielsweise so aus …

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Der Titel dieses Musikstücks heißt „A love that will last by“, wie oben schlecht zu lesen, ist von der Sängerin Renee Olstead, wie geschickt abgeschnitten, und ich vermute, dass es zu diesem Lied kein offizielles Musikvideo gibt. Allerdings ist es im Soundtrack des Films „Plötzlich Prinzessin 2“ enthalten, und ich nehme stark an, dass sich hier ein Fan die Mühe gemacht hat, aus Szenen dieses Films ein „inoffizielles“ Musikvideo zusammenzubasteln. WMG steht übrigens für Warner Music Group, was also bedeutet, dass das Video aufgrund der Musik, nicht aufgrund des Filmmaterials entfernt wurde.

Den YouTube-Experten sollte mittlerweile aufgefallen sein, dass der obige Screenshot nicht direkt von YouTube stammt, sondern von einer Web-Seite, auf der das YouTube-Video lediglich eingebettet ist. Zoomen wir mal ein bisschen heraus …

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Dies ist nicht etwa eine Fan-Website, sondern die offizielle Webpräsenz von Renee Olstead [Link entfernt, da Website seit mehreren Monaten nicht erreichbar]. Ja, der Sängerin Renee Olstead. Nicht von ihr persönlich geführt, aber von ihrem Label Warner Bros. Records, einer Tochter der WMG, zu Promotionszwecken. Wie muss man sich das nun also vorstellen? Ein treuer Fan macht ein nettes Video auf Basis des Songs. Dem Label von Olstead gefällt das so gut, dass sie es auf der offiziellen Website einbinden, nur damit man von Seiten Warner einige Zeit später das Video bei YouTube aufgrund eines Urheberrechtverstoßes löschen lässt. Somit kann man sich das Video des Songs von Olstead auf der Website von Olstead nicht mehr ansehen, weil der Uploader gar nicht die Rechte hatte, den Song zu veröffentlichen und somit Warner zur Verfügung zu stellen, damit sie ihn auf der Website von Olstead einbinden können. – Keine Angst. Ich glaube, der Satz ergibt auch nach mehrmaligem Lesen keinen Sinn.